AEVO praktische Prüfung: Ablauf, Präsentation, Unterweisung & Fachgespräch

AEVO praktische Prüfung verstehen: Ablauf, Thema, Präsentation oder Unterweisung, Fachgespräch und Vorbereitung. Mit praktischen Tipps für Deinen Prüfungstag.
AEVO praktische Prüfung vorbereiten BizTrain4U

Die praktische Prüfung ist für viele angehende Ausbilder:innen der Teil der AEVO-Prüfung, vor dem sie den größten Respekt haben.

Du sollst eine konkrete Ausbildungssituation auswählen, sie innerhalb eines begrenzten Zeitrahmens präsentieren oder praktisch durchführen und anschließend im Fachgespräch Dein Vorgehen erläutern und begründen.

Das klingt zunächst nach viel.

Mit einer guten Vorbereitung lässt sich die praktische Prüfung aber sehr strukturiert angehen.

In diesem Beitrag erfährst Du, wie die praktische AEVO-Prüfung abläuft, was Dich bei Präsentation oder Unterweisung erwartet, worauf es im Fachgespräch ankommt und wie Du Dich gezielt darauf vorbereiten kannst.

Wie läuft die praktische AEVO-Prüfung ab?

Der praktische Prüfungsteil besteht aus zwei Elementen:

  1. Präsentation oder praktische Durchführung einer Ausbildungssituation
  2. anschließendes Fachgespräch

Für beide Teile stehen insgesamt höchstens 30 Minuten zur Verfügung. Die Präsentation bzw. praktische Durchführung soll 15 Minuten nicht überschreiten.

Du wählst dafür eine berufstypische Ausbildungssituation aus. Im Fachgespräch erläuterst und begründest Du anschließend die Auswahl und Gestaltung dieser Situation.

Die praktische Prüfung prüft deshalb nicht einfach, ob Du etwas erklären kannst. Sie zeigt, ob Du eine Ausbildungssituation bewusst planen, gestalten und Dein pädagogisches und methodisches Vorgehen begründen kannst.

Präsentation oder praktische Durchführung – was ist der Unterschied?

Für den praktischen Prüfungsteil kannst Du grundsätzlich zwischen zwei Varianten wählen:

Variante 1 – Präsentation einer Ausbildungssituation

Bei einer Präsentation stellst Du dem Prüfungsausschuss dar, wie Du eine konkrete Ausbildungssituation gestalten würdest.

Du präsentierst also beispielsweise Dein methodisch-didaktisches Vorgehen, Deine Lernziele, den Ablauf, die eingesetzten Methoden und Medien sowie die Lernerfolgskontrolle.

Die IHK Stuttgart, z. B., beschreibt die Präsentation als theoretische Darstellung des methodisch-didaktischen Konzepts einer Ausbildungssituation.

Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Folien zu zeigen.

Entscheidend ist, dass Dein Konzept schlüssig, nachvollziehbar und auf die konkrete Ausbildungssituation bezogen ist.

Variante 2 – Praktische Durchführung einer Ausbildungssituation

Bei der praktischen Durchführung zeigst Du eine Ausbildungssituation tatsächlich.

Das kann beispielsweise eine Unterweisung oder eine andere abgegrenzte Ausbildungssituation sein.

Hier wird besonders sichtbar, wie Du als Ausbilder:in handelst:

  • Wie eröffnest Du die Ausbildungssituation?
  • Wie aktivierst Du den oder die Auszubildende:n?
  • Wie erklärst Du?
  • Welche Fragen stellst Du?
  • Wie überprüfst Du den Lernerfolg?
  • Wie gehst Du mit Rückfragen oder Unsicherheiten um?
  • Wie stellst Du den Transfer in die Praxis her?

Welche Person dabei die Rolle des oder der Auszubildenden übernimmt, ist von der zuständigen IHK abhängig. Einige IHKs stellen eine Person aus dem Prüfungsausschuss zur Verfügung, andere machen dazu eigene Vorgaben.

Deshalb gilt für Deinen Prüfungstag immer: Informiere Dich bei Deiner zuständigen IHK über die konkreten Vorgaben.

Wie finde ich ein geeignetes Thema für die praktische AEVO-Prüfung?

Das Thema ist eine der wichtigsten Entscheidungen Deiner Vorbereitung.

Du brauchst keine möglichst komplizierte Ausbildungssituation.

Im Gegenteil:

Eine klar abgegrenzte, realistische Ausbildungssituation ist meist besser als ein riesiges Thema, das sich in 15 Minuten kaum sinnvoll darstellen lässt.

Deine Ausbildungssituation sollte einen nachvollziehbaren Bezug zu Deinem Ausbildungsberuf haben und sich innerhalb der vorgegebenen Zeit sinnvoll bearbeiten lassen. Die IHK Braunschweig nennt beispielsweise eine abgegrenzte Thematik, eine klare Zielvorstellung, einen definierten Adressaten und eine geplante Vermittlungsmethode als wichtige Bestandteile.

Gute Themen haben deshalb häufig:

  • einen konkreten Ausbildungsinhalt,
  • eine klar definierte Zielgruppe,
  • ein konkretes Lernziel,
  • einen nachvollziehbaren Ablauf,
  • eine passende Methode,
  • eine Möglichkeit zur Lernerfolgskontrolle.

Weniger geeignet sind: 

  • sehr umfangreiche Themen,
  • rein theoretische Themen ohne erkennbare Ausbildungssituation,
  • Themen ohne konkretes Lernziel,
  • Situationen, die sich in 15 Minuten nicht sinnvoll darstellen lassen.

Was gehört in eine gute Ausbildungssituation?

Eine gute Ausbildungssituation beginnt nicht mit der Methode.

Sie beginnt mit der Frage:

Was soll der oder die Auszubildende nach dieser Ausbildungssituation können?

Von diesem Ziel aus kannst Du Deine weitere Planung entwickeln.

Gerade wenn Du Dich selbstständig vorbereitest, solltest Du den praktischen Prüfungsteil von Anfang an mitdenken.

1. Ausgangssituation

  • Wer ist der oder die Auszubildende?
  • Welchen Ausbildungsstand und welche Vorkenntnisse bringt die Person mit?
  • Welche Rahmenbedingungen gibt es?

2. Lernziel

  • Was soll konkret gelernt werden?
  • Das Lernziel sollte so formuliert sein, dass Du später auch überprüfen kannst, ob es erreicht wurde.

3. Methode

  • Wie möchtest Du das Lernziel erreichen?
  • Welche Methode passt zur Situation und zum Ausbildungsstand?

4. Medien und Materialien

  • Was unterstützt den Lernprozess tatsächlich?
  • Nicht jedes technische Hilfsmittel verbessert automatisch die Ausbildung.

5. Durchführung

  • Wie baust Du die Ausbildungssituation auf?
  • Was machst Du als Ausbilder:in – und was macht der oder die Auszubildende?

6. Lernerfolgskontrolle

Woran erkennst Du, ob das Lernziel erreicht wurde?

7. Transfer

  • Was passiert anschließend?
  • Wie kann das Gelernte im Ausbildungsalltag angewendet oder weiter vertieft werden?

Präsentation der Ausbildungssituation – worauf kommt es an?

Wenn Du Dich für die Präsentation entscheidest, solltest Du nicht einfach eine PowerPoint-Präsentation über Dein Thema halten.

Du präsentierst eine Ausbildungssituation.

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Deine Präsentation sollte zeigen, dass Du Dir Gedanken gemacht hast über:

  • die Ausgangssituation,
  • die Zielgruppe,
  • die Lernvoraussetzungen,
  • das Lernziel,
  • die methodische Vorgehensweise,
  • den Medieneinsatz,
  • die Lernerfolgskontrolle,
  • und den Transfer.

Die IHK Pfalz nennt unter anderem Ausgangslage, Vorkenntnisse, didaktisch-methodische Strukturierung, Medien, Lernschritte, Kontrolle, Kommunikation, Erfolgskontrolle und Zeitmanagement als mögliche Bewertungskriterien.

Ein wichtiger Punkt:

Die Präsentation ist kein Vortrag über Ausbildung.

Sie soll zeigen, wie Du eine konkrete Ausbildungssituation gestalten würdest und warum Du Dich genau dafür entschieden hast.

Unterweisung praktisch durchführen – worauf kommt es an?

Bei der praktischen Durchführung wird Deine Ausbildungskompetenz unmittelbar sichtbar.

Viel wichtiger ist, dass Du einen klaren Lernprozess gestaltest.

Dazu gehören beispielsweise:

Einstieg → Lernziel → Erarbeitung → Üben → Lernerfolgskontrolle → Abschluss/Transfer

Dabei solltest Du den oder die Auszubildende:n möglichst aktiv einbeziehen.

Denn Ausbildung bedeutet nicht:

Ausbilder:in spricht – Auszubildende:r hört zu.

Sondern

Ausbilder:in gestaltet einen Lernprozess – Auszubildende:r wird aktiv.

Gerade hier zeigt sich, ob eine Methode wirklich zur Situation passt.

Das Fachgespräch – hier wird es spannend

Nach der Präsentation oder praktischen Durchführung folgt das Fachgespräch. Hier geht es nicht darum, Deine Ausbildungssituation noch einmal zu wiederholen.

Du sollst zeigen, dass Du Deine Entscheidungen fachlich und pädagogisch begründen kannst.

Die AEVO verlangt ausdrücklich, dass die Auswahl und Gestaltung der Ausbildungssituation im Fachgespräch erläutert werden.

Die IHK Köln beschreibt dabei unter anderem die Fähigkeit, die gewählte Situation in einen Gesamtzusammenhang einzuordnen, die Planung selbstkritisch zu reflektieren, Alternativen zu erläutern und vertiefende Fragen zu beantworten.

Darauf solltest Du vorbereitet sein:

  • Warum hast Du dieses Thema gewählt?
  • Warum ist dieses Lernziel für die Ausbildungssituation passend?
  • Warum hast Du diese Methode gewählt?
  • Welche anderen Methoden wären möglich gewesen?
  • Wie hast Du die Vorkenntnisse berücksichtigt?
  • Wie stellst Du fest, ob das Lernziel erreicht wurde?
  • Was würdest Du verändern, wenn der oder die Auszubildende Schwierigkeiten hat?
  • Wie ordnet sich die Ausbildungssituation in den Ausbildungsprozess ein?

Du musst dabei nicht beweisen, dass Deine Lösung die einzig richtige ist.

Du musst zeigen, dass Du bewusst entschieden hast und Deine Entscheidung begründen kannst.

Wie wichtig ist das Konzept für die praktische Prüfung?

Viele Prüflinge erstellen für ihre praktische Prüfung ein schriftliches Konzept. Das kann Dir helfen, Deine Ausbildungssituation systematisch zu planen und Deine Gedanken zu strukturieren.

Typische Bestandteile können beispielsweise sein:

  • Ausgangssituation
  • Zielgruppe bzw. Adressatenanalyse
  • Lernziele
  • methodisches Vorgehen
  • Medien und Materialien
  • Ablauf
  • Lernerfolgskontrolle
  • Transfer

Wichtig: Die konkreten Vorgaben zum Konzept unterscheiden sich je nach IHK. Umfang, Abgabeform und erforderliche Unterlagen solltest Du deshalb immer bei Deiner zuständigen IHK prüfen. Die IHK Stuttgart verlangt beispielsweise ein schriftliches Konzept, während andere IHKs eigene Formulare und Vorgaben verwenden.

Das Konzept ist Dein Plan – aber in der Prüfung musst Du zeigen, dass Du diesen Plan auch pädagogisch begründen kannst.

Welche Methoden eignen sich für die praktische AEVO-Prüfung?

Es gibt nicht die eine perfekte AEVO-Methode.

Eine Methode ist dann passend, wenn sie zum

  • Lernziel,
  • Ausbildungsstand,
  • Inhalt,
  • Zeitrahmen
  • und zur konkreten Ausbildungssituation

passt.

Das bedeutet auch:

Nicht die Methode sollte das Thema bestimmen.

Sondern:

Das Lernziel bestimmt, welche Methode sinnvoll ist.

Ob Lehrgespräch, Vier-Stufen-Methode, Demonstration, Lernauftrag, Rollenspiel oder eine andere Methode: Entscheidend ist, dass Du Deine Auswahl nachvollziehbar begründen kannst.

Die häufigsten Fehler in der praktischen AEVO-Prüfung

Viele Schwierigkeiten entstehen nicht dadurch, dass jemand zu wenig Fachwissen besitzt.

Häufiger liegt das Problem darin, dass die Ausbildungssituation nicht konsequent vom Lernziel her gedacht wurde.

Typische Stolperfallen sind:

Zu viel Inhalt

Das Thema ist zu groß und soll in 15 Minuten komplett vermittelt werden.

Kein klares Lernziel

Am Ende ist nicht eindeutig erkennbar, was der oder die Auszubildende können soll.

Methode vor Lernziel

Die Methode steht bereits fest, bevor geklärt ist, was eigentlich gelernt werden soll.

Ausbilder:in redet zu viel

Die Ausbildungssituation wird zum Vortrag statt zu einem Lernprozess.

Lernerfolgskontrolle fehlt

Es wird vermittelt, aber nicht überprüft, ob das Lernziel erreicht wurde.

Fachgespräch wird unterschätzt

Die Präsentation oder Unterweisung wird intensiv geübt – die Begründung der eigenen Entscheidungen dagegen kaum.

Zu viel Technik

Eine aufwendige Präsentation ist nicht automatisch eine gute Ausbildungssituation.

Eine Methode ist dann passend, wenn sie zum

Die Prüfung bewertet nicht, wie spektakulär Deine Präsentation ist. Sie zeigt, wie bewusst Du eine Ausbildungssituation gestalten kannst

So kannst Du Dich auf die praktische AEVO-Prüfung vorbereiten

Plane Deine Vorbereitung nicht erst für die letzten Tage vor der Prüfung.

Schritt 1: Thema auswählen

Wähle eine realistische, berufstypische und klar abgegrenzte Ausbildungssituation.

Schritt 2: Lernziel formulieren

Definiere konkret, was der oder die Auszubildende anschließend können soll.

Schritt 3: Ausbildungssituation planen

Berücksichtige Ausbildungsstand, Vorkenntnisse, Rahmenbedingungen und Lernziel.

Schritt 4: Methode auswählen

Entscheide Dich für eine Methode, die zu Deiner Situation passt – und überlege Dir, warum.

Schritt 5: Durchführung bzw. Präsentation üben

Achte auf Zeit, Struktur, Verständlichkeit und Deine Kommunikation.

Schritt 6: Lernerfolgskontrolle einbauen

Plane von Anfang an mit, wie Du überprüfen möchtest, ob Dein Lernziel erreicht wurde.

Schritt 7: Fachgespräch trainieren

Übe nicht nur was Du gemacht hast, sondern vor allem warum Du es so gemacht hast.

Schritt 8: Feedback einholen

Lass Deine Ausbildungssituation von einer anderen Person beobachten.

Denn manches, was Dir selbst logisch erscheint, wird von außen ganz anders wahrgenommen.

Du suchst noch nach der passenden Form der Prüfungsvorbereitung?

Ob Selbststudium, Präsenzkurs, Online-Kurs, Blended Learning oder Intensivkurs – welche Variante zu Dir passt, hängt von Deinen Voraussetzungen und Deinem Lernziel ab.

Dein wichtigster Gedanke für die praktische AEVO-Prüfung

Du musst keine perfekte Show abliefern.

Du musst zeigen, dass Du Ausbildung gestalten kannst.

Das bedeutet:

  • Lernziel verstehen.
  • Ausgangssituation berücksichtigen.
  • Methode bewusst auswählen.
  • Auszubildende aktiv einbeziehen.
  • Lernerfolg überprüfen.
  • Eigene Entscheidungen reflektieren.

Genau darin liegt die eigentliche Herausforderung der praktischen Prüfung – und gleichzeitig ihr Wert.

 

Du sollst nicht zeigen, dass Du perfekt ausbildest.
Du sollst zeigen, dass Du Ausbildung bewusst gestalten kannst.

Fazit: Die praktische Prüfung ist mehr als eine Unterweisung

Die praktische AEVO-Prüfung besteht nicht einfach darin, eine 15-minütige Unterweisung zu halten.

Du zeigst eine konkrete Ausbildungssituation, begründest Deine methodischen und pädagogischen Entscheidungen und ordnest Dein Vorgehen im anschließenden Fachgespräch in den Ausbildungskontext ein.

Deshalb lohnt es sich, bei der Vorbereitung nicht nur die Präsentation oder Unterweisung zu üben.

Plane die Situation. Übe die Durchführung. Reflektiere Deine Entscheidungen. Und bereite Dich genauso auf das Fachgespräch vor.

Noch Fragen zur Ausbildereignungsprüfung?

Auf unserer Übersichtsseite findest Du alles Wichtige zu Ablauf, Inhalten, Prüfungskosten und Vorbereitung der Ausbildereignungsprüfung (AEVO).

Der Ausbilderschein ist der Start. Gute Ausbildung geht weiter.

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Mit über 25 Jahren Erfahrung in Ausbildung, Praxis und Führung vereint Astrid Leitl tiefes Fachwissen mit echter Leidenschaft. Ihre Mission: Ausbildungs- und Fortbildungsprozesse so gestalten, dass sie nicht nur funktionieren – sondern begeistern und nachhaltig wirken.

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Astrid Leitl

Gepr. Berufspädagogin (IHK) / Master Professional of Vocational Training (CCI)